Exokrine Pankreasschwäche und -insuffizienz

Unsere Bauchspeicheldrüse (Pankreas) hat zwei Anteile, einen endokrinen und einen exokrinen. Um den endokrinen Anteil, also den Teil, der die Hormone zur Blutzuckerregulation bildet, soll es heute nicht gehen.

 

Der exokrine Anteil des Pankreas bildet Enzyme, die für die Verdauung von Kohlenhydraten, Fetten und Eiweißen notwendig sind. Diese Verdauungsenzyme (Amylasen, Lipasen und Proteasen) werden in den Zwölffingerdarm abgegeben und können dort damit beginnen, ihre Verdauungsarbeit zu verrichten.

 

Liegt hier eine Schwäche vor, also kommt die Bauchspeicheldrüse ihrer Aufgabe, genug Verdauungsenzyme zu bilden, nicht mehr ganz nach, führt das in der Folge dazu, dass Nahrungsbestandteile unverdaut in den Dickdarm gelangen. Diese unverdauten Nahrungsbestandteile werden anschließend unter Gasbildung von im Dickdarm ansässigen Bakterien verstoffwechselt, z.B. von Clostridien spp. oder Fäulniskeimen. Die entsprechenden Bakterien vermehren sich und die normalerweise ausgeglichene Bakterienflora im Darm verschiebt sich in eine pathologische Richtung - es entsteht eine Dysbiose.

 

Begleitsymptome dieses Prozesses sind häufig extreme Blähungen nach dem Essen, ein aufgetriebener Bauch, Krämpfe, Stuhlveränderungen (Durchfall), Unverträglichkeiten (z.B. von Fett) und häufig auch ein Völlegefühl. Der Stuhl hat oft ein glänzendes Aussehen (Fettstuhl). Manchmal kann man unverdaute Nahrungsbestandteile mit bloßem Auge erkennen.

 

Hält die Pankreasschwäche länger an und in der Folge auch die Dysbiose, kann das mit der Zeit zu Schäden an der Darmschleimhaut führen, was dann weitere Erkrankungen nach sich ziehen kann, z.B. Allergien oder Autoimmunerkrankungen.

 

Bei einer schweren Form der Pankreasschwäche kann es zudem zu einer verminderten Aufnahme der fettlöslichen Vitamine A, D, E und K sowie Zink und Magnesium im Darm kommen, so dass sich hier entsprechende Unterversorgungen ergeben. In der Folge kann es zu Erkrankungen wie Osteoporose und Hautekzemen, erhöhter Blutungsneigung oder Sehstörungen kommen. Durch Magnesiummangel kann es zu Verspannungen und Krämpfen kommen, Zink wird bei vielen Stoffwechsel- und Abwehrprozessen im Körper benötigt.

 

Die Diagnostik der Pankreasschwäche wird über die Pankreaselastase 1 im Stuhl vorgenommen. Diese ist einfach, wenig störanfällig und kostengünstig.

 

> 500 µg/g - Normwert (Gesunde haben meist Werte zwischen 550-750 µg/g, optimal sind Werte um 800 µg/g)

 

200-400 µg/g - exokrine Pankreasschwäche (EPS)

 

100-200 µg/g - leichte exokrine Pankreasinsuffizienz (EPI)

 

< 100 µg/g - schwere exokrine Pankreasinsuffizienz (EPI)

 

Man muss streng genommen also zwischen einer Pankreasschwäche (EPS) und einer Pankreasinsuffizienz (EPI) unterscheiden. Liegt „nur“ eine Schwäche des Organs vor, kann man es mit naturheilkundlichen Maßnahmen in der Regel ganz gut regulieren und anregen. Das Ziel ist hier die Eliminierung von den Störfaktoren, die dazu geführt haben, dass das Organ angefangen hat zu schwächeln. Gleichzeitig wird es mit pflanzlichen Mitteln angeregt, seine Funktion wieder zu stärken, ganz im Sinne des naturheilkundlichen Leitsatzes:

 

Naturheilkunde kann heilen bei Organstörung und lindern bei Organzerstörung.

 

Bei einer nachgewiesenen Pankreasinsuffizienz gelingt dies manchmal auch noch, es kann aber sein, dass die Bauchspeicheldrüse dauerhaft/lebenslang in ihrer Funktion unterstützt werden muss, z.B. mit der Gabe von Enzymen, die die Verdauung unterstützen.

Die Ursachen für eine exokrine Pankreasschwäche oder -insuffizienz sind vielfältig. Sie korreliert machmal, aber nicht zwingend, mit einem Diabetes mellitus. Auch bei einer latenten oder chronischen Bauchspeicheldrüsenentzündung kann es dazu kommen. Die Bauchspeicheldrüse ist zudem sehr stressempfindlich und geht oft einher mit einer Schwäche der Nebennieren (zuständig u.a. für die Produktion von Stresshormonen). Auch ungünstige Ernährungsgewohnheiten oder die Einnahme bestimmter Medikamente können die Bauchspeicheldrüse schwächen.

In der Praxis erlebe ich es immer wieder, dass Patienten, die mit der Diagnose „Reizdarm“ zu mir kommen, in Wirklichkeit unter eine EPS/EPI leiden.

 

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