Die Bakterienflora im Dickdarm

Wenn wir erfassen wollen wie es um unsere Bakterienflora im Dickdarm bestellt ist, fertigen wir in der Regel eine Stuhluntersuchung an. Das Bild der Bakterienflora, das sich in der Stuhluntersuchung zeigt, entspricht weitestgehend der Flora im Dickdarm.

 

Dabei werden Keime erfasst, die unbedingt in der Darmflora erforderlich sind (obligate Keime). Desweiteren werden aber auch Keime erfasst, die sich nur passager, also vorübergehend im Darm aufhalten. Sie gelangen über die Nahrung in unseren Darm, können diesen aber normalerweise nur passieren und verlassen ihn dann auch wieder. Werden diese Keime aber in zahlenmäßig größerer Form vorgefunden, kann dies wichtige Hinweise auf nachhaltige Störungen des intestinalen (auf den Darm bezogen) Ökosystems geben. Dazu gehören z.B. Pilze (Candida, Geotrichum) oder Clostridien.

 

Im Labor wird aber nicht nur erfasst, welche Bakterienstämme sich im Stuhl befinden, sondern diese werden auch noch nach einem aufwändigen Anzucht-Verfahren ausgezählt (quantitative Keimzahlbestimmung). Manche Bakterien benötigen dabei sauerstofffreie oder –arme Wachstumsbedingungen, die so genannten Anaerobier wie z.B. Bifidobakterien, Bacteroides oder Clostridien. Andere hingegen benötigen Sauerstoff zur Vermehrung, z.B. E. coli-Bakterien oder Enterokokken. Diese nennt man auch aerobe Bakterien.

 

Bei gesunden Menschen, die sich ausgewogen ernähren, überwiegen im Dickdarm Säuerungskeime wie Bifidobakterien und Laktobazillen. Diese sind in der Lage, komplexe Kohlenhydrate zu zerlegen. Dabei produzieren sie kurzkettige Fettsäuren, die das Darmmilieu leicht ansäuern. (pH 6-7). Bei Veganern, die sich ballaststoffreich ernähren, liegt der pH-Wert oft sogar unter 6.

 

Leicht verfügbare Kohlenhydrate, Fette und Eiweiße werden normalerweise im Dünndarm schon resorbiert und gelangen nicht in den Dickdarm. Verändert sich jedoch das Ernährungsangebot, hat dies Auswirkungen auf die Darmfloraverhältnisse. Eine einseitige (z.B. fett- und eiweißreiche) Ernährung kann dazu führen, dass vermehrt Eiweiße und Fette in den Dickdarm gelangen und dort das Wachstum von Bakterien fördern, die dieses Nährstoffangebot verwerten können, z.B. Fäulniskeime wie Clostridium spp. oder Proteus. Die Stoffwechselaktivität dieser Bakterien sorgt dann für einen Anstieg des pH-Werts im Dickdarm auf Werte über 7, was unerwünscht ist und unangenehme Folgewirkungen hat.

 

Da das Mikrobiom Einfluss auf viele vitale Funktionen im menschlichen Organismus hat, lohnt sich eine Stuhluntersuchung nicht nur bei Beschwerden im Verdauungstrakt (Reizdarm, chronische Durchfälle oder Verstopfung, Blähungen, M. Crohn, Colitis ulcerosa usw.), sondern z.B. auch bei folgenden Erkrankungen, auch wenn eine gestörte Darmflora hier meist nicht die alleinige Ursache darstellt:

 

  • Erkrankungen des allergischen Formenkreises (Heuschnupfen, Neurodermitis, Asthma, Nahrungsmittelunverträglichkeiten usw.)
  • Abwehrschwäche (Infektanfälligkeit, Pilzerkrankungen, chronisches Müdigkeitssyndrom)
  • Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises (rheumatoide Arthritis, Fibromyalgie)
  • Migräne

usw.

 

Wenn hier ein gestörtes Mikrobiom vorgefunden wird, was oft der Fall ist, gibt das entscheidende Hinweise auf das therapeutische Vorgehen.

Aus einem Stuhlflorabefund kann man keine konkreten Erkrankungen diagnostizieren, aber die Verhältnisse im Darm geben Aufschluss über mikrobielle Störungen, die sehr individuell sind und spezifisch behandelt werden müssen.

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