Ein Wort zu Nahrungsergänzungsmitteln

Im Gespräch mit Patienten kristallisiert sich immer wieder heraus, dass oft Nahrungsergänzungsmittel mit Vitaminen,  Mineralstoffen und Spurenelementen eingenommen werden. Leider geschieht dies oft ungezielt, d.h. es ist meistens kein Status der aktuellen Mikronährstoffsituation im Organismus vorgenommen worden. Manchmal wurde der ein oder andere Parameter im Blut auch untersucht, daraufhin ein Nährstoffpräparat eingenommen, aber nie wieder eine Kontrolluntersuchung gemacht. Mitunter werden bestimmte Vitamine auch über einen langen Zeitraum ohne Pause eingenommen, ohne zu wissen, ob überhaupt ausreichend davon im Körper vorhanden ist und ob die Dosierung ausreicht.

 

Auch wenn immer gesagt wird, dass Nahrungsergänzungsmittel harmlos sind, ich bin der Meinung, man sollte schon gezielt substituieren. Das erfordert, dass zunächst ein Status über das Blut oder ggf. den Urin vorgenommen wird und man zunächst schaut, ob überhaupt Vitalstoffe fehlen und welche das sind. Anschließend sollte bei Mängeln natürlich substituiert werden. Der nächste Schritt ist dann, dass man nach einer gewissen Zeit den Befund kontrolliert, um festzustellen, ob der Mangel behoben wurde, eine weitere Einnahme nötig ist und ob die Dosierung gestimmt hat.

 

Es gibt Vitalstoffe, die nicht so harmlos sind, wie es gerne dargestellt wird. So darf z.B. Vitamin B6 oder Selen nicht überdosiert werden, weil das sonst zu Vergiftungen und gesundheitlichen Problemen führen kann. Auch Eisen oder Zink sind in hohen Dosierungen u.U. sogar organschädigend. Zudem sind manche Vitalstoffe auch Gegenspieler, so dass es zu verschobenen Verhältnissen kommen kann, wenn dies nicht im Blick behalten wird. Teilweise sollten Mikronährstoffe auch zeitlich versetzt eingenommen werden, damit sich ihre Wirkung nicht aufhebt. Auch können sich eingenommene Medikamente und Mikronährstoffe zum Teil gegenseitig stören und ggf. in der Wirkung abschwächen.

 

Häufig fällt mir auch auf, dass Präparate eingenommen werden, die mit erheblich vielen Zusatzstoffen versehen sind, die meiner Ansicht nach nichts im Körper zu suchen haben, weil sie ihn belasten können. Auch liegen viele Vitalstoffe in schlecht bioverfügbarer Form vor, so dass eine Einnahme im schlimmsten Fall nicht einmal etwas bringt, weil der Körper die Substanz nicht oder schlecht aufnehmen kann. Bei dem Thema spielt auch die Resorptionsfähigkeit des Darms immer wieder eine wichtige Rolle. Ist die Darmschleimhaut nicht in einer optimalen Verfassung, z.B. durch entzündliche Veränderungen oder ein Leaky Gut-Syndrom, können Nährstoffe nicht gut aufgenommen werden.

 

Ein weiteres Problem sehe ich bei Multi-Vitaminpräparaten, die viele Vitalstoffe enthalten. Auch wenn manchmal sicher nichts gegen eine kurweise Anwendung über einen kurzen Zeitraum spricht, so kann es natürlich auch hier zu Verschiebungen im Vitalstoffhaushalt kommen, denn man benötigt vielleicht nicht unbedingt genau die Zusammensetzung und Dosierung der Mikronährstoffe wie sie in dem individuellen Präparat vorhanden sind. Ohne Blutuntersuchung kann man nicht wissen, ob man von dem einen Vitalstoff nicht vielleicht sogar zu viel hat, so dass eine zusätzliche Einnahme zu Problemen führen könnte. Mit einem anderen Vitalstoff hingegen ist man vielleicht unterversorgt, so dass eventuell nicht einmal die in dem Mittel angegebene Menge ausreicht, sondern viel höher dosiert werden müsste. Es gibt gerade beim Vorliegen von chronischen Krankheitsprozessen oder auch funktionellen Gesundheitsstörungen gerne die Situation, dass bestimmte Vitalstoffe in sehr hohen Dosen eingenommen werden müssen, zum Teil dann auch weit über den festgelegten/empfohlenen Grenzwerten.

 

Weiterhin gibt es Zustände oder Prozesse im Leben, wegen denen der Vitalstoffbedarf erhöht ist. Dies kann der Fall sein, wenn man älter wird, sportlich sehr aktiv ist oder auch bei Schwangeren. Auch bestimmte Medikamente erhöhen den Vitalstoffbedarf, da sie Mikronährstoffe rauben. Hier denke ich z.B. an die Pille, die bekannt dafür ist, vermehrt Vitamin B6 zu verbrauchen.

 

Zu guter Letzt bin ich der Meinung, dass eingenommene Vitalstoffe eigentlich unnatürlich sind. Das bedeutet nicht, dass Mängel nicht ausgeglichen werden sollen, ganz im Gegenteil. Aber man muss sich immer bewusst machen, dass die Stoffe in synthetischer und isolierter Form in dem Mittel vorliegen. In der Natur liegen die Nährstoffe stets in einem Verbund vor, zusammen mit vielen sekundären Pflanzenstoffen. Ein noch so ausgeklügeltes Nährstoffpräparat kann also die Natur nicht ersetzen, sondern maximal versuchsweise simulieren.

 

Als letzten Punkt möchte ich noch meine persönliche Überzeugung mitteilen, dass der Körper bei regelmäßigem Mikronährstoffangebot mit Gewöhnung reagieren kann. Werden also über einen langen Zeitraum ohne Grund Vitalstoffe zugeführt, wird der Organismus u.U. „träge“ und bemüht sich nicht mehr ausreichend, Nährstoffe aus der Nahrung aufzunehmen.

 

Meine Empfehlung lautet daher – die Nährstoffe im Blick behalten, insbesondere in besonderen Lebenssituationen, gezielt und möglichst kurzzeitig substituieren und Kontrolluntersuchungen nicht vernachlässigen.

 

Übrigens - Vitalstoffpräparate aus der Drogerie oder dem Supermarkt eignen sich in der Regel nicht für die Behebung von Mängeln. Die Dosierungsempfehlungen eignen sich maximal zum Erhalt des Nährstoffspiegels, gehen aber nicht in den therapeutischen Bereich. Es sollte besser auf Präparate aus der Apotheke zurückgegriffen werden. 

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